Chatkontrolle: Rechtslage unklar, Tech-Konzerne scannen weiter

Seit dem Wochenende ist die EU-Übergangsregelung ausgelaufen, die Unternehmen wie Google, Meta und Microsoft erlaubte, private Nachrichten anlasslos nach Darstellungen sexualisierter Gewalt gegen Kinder (CSAM) zu durchsuchen. Eine Verlängerung scheiterte im Europaparlament. Ohne diese Ausnahmeregelung verstoßen automatisierte Massenscans nach Einschätzung von Experten und der EU-Kommission selbst gegen die geltende E-Privacy-Richtlinie.

Trotzdem kündigten Google, Meta, Microsoft und Snap gemeinsam an, ihre freiwilligen Scanning-Maßnahmen fortzusetzen. Begründung: der Schutz von Kindern weltweit. Ein Brancheninsider nennt die Rechtslage „trüb", aber nicht zwingend gesetzeswidrig – eine Einschätzung, die der Kommission direkt widerspricht. Unternehmen, die ohne explizite Rechtsgrundlage weiterscannen, riskieren Bußgelder wegen Datenschutzverstößen.

Kritiker wie der frühere EU-Abgeordnete Patrick Breyer weisen darauf hin, dass das bisherige System vor allem Scheinsicherheit produziert hat: Laut BKA waren fast die Hälfte der Verdachtsmeldungen strafrechtlich irrelevant, 99 Prozent der Meta-Meldungen betrafen bereits bekanntes Material.

Originalartikel: heise.de

Related Posts

EU-Vorschlag zur Chat-Überwachung nach deutscher Kritik zurückgezogen

Das dänische EU-Ratsvorsitzland hat sein umstrittenes Vorhaben fallen gelassen, Techkonzerne zum Scannen privater Nachrichten zu verpflichten.

Read More

EuGH: Fingerabdrücke und Fotos nicht auf Vorrat

Der Europäische Gerichtshof hat am Donnerstag klargestellt, dass Polizeibehörden biometrische Daten wie Fingerabdrücke oder Lichtbilder nicht routinemäßig bei jeder Festnahme erheben dürfen. Das Urteil (C-371/24) setzt der verbreiteten Praxis einer automatischen erkennungsdienstlichen Behandlung enge Grenzen.

Read More

Microsoft Copilot: KI-Assistent mit Sicherheitslücken

Microsoft Copilot ist tief in Microsoft 365 integriert und hat Zugriff auf praktisch alles, was ein Mitarbeiter sehen kann – E-Mails, SharePoint-Dokumente, Teams-Chats. Genau das ist das Problem: In den meisten Unternehmen haben Mitarbeiter weit mehr Zugriffsrechte als nötig. Laut einem Bericht von Concentric AI sind 16 % aller geschäftskritischen Daten übermäßig geteilt, im Schnitt rund 800.000 Dateien pro Organisation. Copilot erbt diese Berechtigungen – und kann damit ungewollt zum Datenleck werden.

Read More