EU plant DSGVO-Novelle – mit weniger Dokumentationspflichten

Die EU-Kommission arbeitet an einer Überarbeitung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), die insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen Erleichterungen bringen soll. Ein zentrales Element des aktuellen Entwurfs ist die Anhebung der Schwelle zur Dokumentationspflicht: Künftig sollen Unternehmen mit bis zu 749 Mitarbeitenden von der Pflicht zum Führen eines Verzeichnisses von Verarbeitungstätigkeiten ausgenommen werden – bislang lag diese Grenze bei 250 Beschäftigten.

Ziel der Novelle ist eine praxisnähere und wirtschaftsfreundlichere Umsetzung der DSGVO. Die EU will damit insbesondere kleinen Midcap-Unternehmen mit einem Jahresumsatz unter 150 Mio. Euro und einer Bilanzsumme von höchstens 129 Mio. Euro entgegenkommen. Während die geplante Reform aufseiten der Wirtschaft auf Zustimmung stößt, üben Datenschutzorganisationen wie EDRi und der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) scharfe Kritik.

In einem offenen Brief bezeichnet EDRi die DSGVO als digitales Rückgrat Europas, dessen Standards nicht durch scheinbar administrative Erleichterungen ausgehöhlt werden dürften. Der vzbv warnt ebenfalls: Ohne aussagekräftige Dokumentation sei effektives Datenschutzmanagement kaum möglich – gerade bei Hochrisikoverarbeitungen, etwa im medizinischen oder juristischen Bereich

Verbraucherschützer fordern statt weitreichender Ausnahmen gezielte Maßnahmen: etwa durch Aufklärung, Schulungen und technische Hilfsmittel, die insbesondere kleinen Unternehmen die Einhaltung der DSGVO erleichtern. Eine völlige Entbindung von der Rechenschaftspflicht könne langfristig mehr Schaden als Nutzen bringen.

Related Posts

12000 API-Schlüssel von Usern in AI-Trainingsdaten von Common Crawl gefunden

Der kürzlich erschienene Artikel „Nearly 12,000 API keys and passwords found in AI training dataset“ von Ionut Ilascu auf BleepingComputer offenbart gravierende Datenschutzprobleme im Zusammenhang mit der Nutzung des Common Crawl-Datensatzes als Trainingsgrundlage für künstliche Intelligenz (KI). Nahezu 12.000 gültige API-Schlüssel und Passwörter – darunter AWS Root Keys, MailChimp API-Schlüssel und Slack Webhooks – wurden in diesem öffentlich zugänglichen Webarchiv gefunden. Dieser Bericht beleuchtet kritisch die Datenschutzimplikationen und die damit verbundenen Sicherheitsrisiken.

Read More

Datenleck durch Copilot: Ehemals öffentliche GitHub-Repositories bleiben zugänglich

Laut einem Bericht bei TechCrunch sind tausende GitHub-Repositories, die kurzzeitig öffentlich waren und inzwischen auf „privat“ gesetzt oder gelöscht wurden, weiterhin über Microsofts Copilot abrufbar. Die zwischengespeicherten Daten, die über den Bing-Cache indexiert wurden, können von der generativen KI abgerufen werden – selbst wenn sie über herkömmliche Websuchen nicht mehr auffindbar sind.

Read More

Google's reCAPTCHA: Datenkrake ohne ernstzunehmenden Bot-Schutz

Eine aktueller Bericht auf TechSpot wirft ein Schlaglicht auf Googles reCAPTCHA v3, das sich als ineffektiv im Bot-Schutz und gleichzeitig als massiver Datenschutzrisiko entpuppt. Der einfache Checkbox-Test (“Ich bin kein Roboter”) überzeugt nicht – Bots bestehen ihn mühelos, wie der YouTuber “Chuppl” demonstrierte, der einen Bot entwickelte, der den Test in einem Versuch absolvierte.

Read More