Google Chrome setzt Abschaffung von Drittanbieter-Cookies aus – W3C reagiert mit Kritik

31. Juli 2024 Google Chrome hat bekanntgegeben, dass die geplante Abschaffung von Drittanbieter-Cookies nicht weiterverfolgt wird. Diese Entscheidung ermöglicht es Werbenetzwerken, weiterhin traditionelle Tracking-Methoden zu verwenden, um Benutzer über verschiedene Webseiten hinweg zu verfolgen und sensible Informationen zu sammeln. Dies stellt einen Rückschritt für den Datenschutz dar.

Das World Wide Web Consortium (W3C), die führende internationale Standardisierungsorganisation für das Web, hat diese Entscheidung in einem offenen Brief scharf verurteilt. Hadley Beeman, Architektin für offene Standards beim W3C, schrieb: „Drittanbieter-Cookies sind schlecht für das Web. Sie ermöglichen ein unsichtbares Verfolgen der Browsing-Aktivitäten, was die Privatsphäre aller Nutzer beeinträchtigt.“

Der W3C betonte, dass Drittanbieter-Cookies inhärente Datenschutzprobleme haben und dass das Verfolgen und Sammeln von Daten zu einer gezielten politischen Beeinflussung führen kann, wie von Organisationen wie Privacy International hervorgehoben. Auch Regulierungsbehörden wie das britische Information Commissioner’s Office fordern das Blockieren von Drittanbieter-Cookies.

Google Chrome hat über 60% Marktanteil und Chromium-basierte Browser insgesamt über 90%, was bedeutet, dass Googles Entscheidung die jahrelangen Bemühungen des W3C zunichtemachen könnte. Google hat bisher nicht auf die Kritik reagiert. Als größtes Werbeunternehmen der Welt bleibt das Tracking für Google jedoch ein zentrales Geschäftsfeld.

Related Posts

Datenleck: Chinesischer Balkonkraftwerkhersteller Deye weist Verantwortung von sich

Auf dem Blog von Günther Born wird berichtet, dass Balkonkfraftwerkbesitzer über die Deye-Cloud auf Solardaten einer fremden Person zugreifen konnte. Die Wechselrichter von Deye, die in vielen Balkonkraftwerken und Solaranlagen in Deutschland eingesetzt werden, sind über das Internet verbunden und speisen Daten in eine Cloud in China. Dies wirft nicht nur erhebliche Datenschutzprobleme auf, da fremde Anlagendaten samt persönlicher Informationen sichtbar wurden, sondern ist über dies noch schlecht programmiert, so dass man Anlagendaten fremder Besitzer angezeigt bekommt. Deye bestritt laut Born das Problem, und verweist darauf, dass die Nutzer die fremden Anlagen selbst angelegt haben sollen.

Read More

Datenpanne: Hacktivistin zeigt Massenüberwachung durch die Telekom auf

Lilith Wittmann hat eine Webseite namens festnetz.cool online gestellt, die es ermöglicht, Daten von Festnetz-Anschlüssen der Deutschen Telekom allein anhand der IP-Adresse abzufragen. Mit den ermittelten Daten können die Anschlussinhaber der Telekom im Internet dauerhaft getrackt werden.

Read More

Alptraum für den Datenschutz - Adobes neue Nutzungsbedingungen

Ein Artikel auf tarnkappe.info kritisiert die neuen Nutzungsbedingungen von Adobe in Hinblick auf Datenschutz. Der Software-Riese hinter Programmen wie Photoshop und Illustrator räumt sich darin weitreichenden Zugriff auf Nutzerdaten ein.

Read More