NIS-2-Richtlinie: Europa tut sich schwer mit einheitlicher Umsetzung

Die EU-Richtlinie NIS-2, die ein einheitliches und hohes Cybersicherheitsniveau in der Europäischen Union etablieren soll, hätte bis zum 17. Oktober 2024 in nationales Recht umgesetzt werden müssen. Doch Stand Juli 2025 haben lediglich sieben der 27 EU-Mitgliedstaaten diese Frist eingehalten.

Belgien, Italien, Kroatien und Litauen waren die ersten Länder, die NIS-2 pünktlich in nationales Recht überführten. Bis Mai 2025 folgten Griechenland, Rumänien und die Slowakei. Die übrigen 20 Mitgliedstaaten, darunter Deutschland, haben die Umsetzung entweder noch nicht abgeschlossen oder befinden sich in verschiedenen Stadien des Gesetzgebungsprozesses.

Aufgrund der Verzögerungen hat die Europäische Kommission Ende November 2024 Vertragsverletzungsverfahren gegen 23 Mitgliedstaaten eingeleitet. Im Mai 2025 erhielten 19 Länder eine “mit GrĂĽnden versehene Stellungnahme” als zweite Mahnung. Diese Länder haben zwei Monate Zeit, die erforderlichen MaĂźnahmen zu ergreifen, andernfalls drohen Sanktionen.

Deutschland hat die Umsetzungsfrist nicht eingehalten. Ein Gesetzentwurf zur Umsetzung der NIS-2-Richtlinie liegt seit Juli 2024 vor, doch politische Verzögerungen, unter anderem durch Neuwahlen im Februar 2025, haben den Prozess ins Stocken gebracht. Ein Inkrafttreten des Gesetzes wird frühestens im zweiten Quartal 2025 erwartet.

Die unterschiedlichen Fortschritte und Herangehensweisen der Mitgliedstaaten bei der Umsetzung der NIS-2-Richtlinie führen zu einem Flickenteppich an Regelungen. Einige Länder kombinieren NIS-2 mit anderen Verordnungen, während andere sektorspezifische Regelungen erlassen. Dies erschwert es insbesondere europaweit tätigen Unternehmen, die Compliance-Anforderungen zu erfüllen, und könnte das Ziel eines einheitlichen Cybersicherheitsniveaus in der EU gefährden.

Related Posts

Studie aus 2025: AI-Plattformen im Datenschutzvergleich

Die Nutzung von generativer KI (Gen AI) und Large Language Models (LLMs) ist heute Alltag. Ob bei der Texterstellung, beim Programmieren oder im Kundenservice – diese Tools erleichtern vieles, doch oft auf Kosten des Datenschutzes. Die aktuelle Studie von Incogni, kombiniert mit der Privacy-Ranking-Grafik 2025, zeigt: Nicht alle Plattformen gehen gleich verantwortungsvoll mit Nutzerdaten um.

Read More

500 Mio Ausschreibung fĂĽr Checkpoint Security - der Staat setzt alles auf eine Karte

Vorwort: Am 6.6.24 hat das BSI eine Sicherheitswarnung der Stufe Orange ausgegeben, in der es auffordert, dringend das von Check Point bereitgestellte Patch Script für VPN Produkte auszuführen. Die kritische Schwachstelle (CVE-2024-24919) in den CheckPoint VPN Produktreihen Quantum und Maestro ermöglicht es Angreifern aus der Ferne ohne Authentifizierung Zugangsdaten auszulesen. Betroffen sind die Sicherheitslösungen CloudGuard Network, Quantum Maestro, Quantum Scalable Chassis, Quantum Security Gateways und Quantum Spark Appliances. Die Schwachstelle wurde bereits am 26. Mai 2024 und mit einer hohen Kritikalität von 8.6/10 nach CVSS v3.1 bewertet. Angreifer könnten die ausgelesenen Daten verwenden, um per VPN Zugriff auf geschützte Netzwerke zu erlangen und weitere Spionage- oder Sabotageaktionen durchzuführen. Betroffen sind alle Sicherheitsgateways der Serien R81, R81.10, R81.10.x, R81.20 und älter. Die IT-Bedrohungslage wurde auf 3 / Orange eingestuft, was eine geschäftskritische Situation bedeutet. Erste prominente Opfer scheint es mit dem Hack auf die CDU schon gegeben zu haben, wir gehen nicht davon aus, dass dies die einzigen waren. Laut einem Bericht von Heise kam es auch bei KRITIS Betreibern bereits zu einem Vorfall. Heise geht von über 1800 betroffenen Gateways aus.

Read More

Hacker zielen auf Home Office und Cloud Schwachstellen

Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Was vor einigen Jahren noch als Ausnahme galt, gehört spätestens seit Corona zum Alltag: Remote- und Hybrid-Arbeitsmodelle haben sich in vielen Unternehmen etabliert und sind schwer wieder wegzudenken. Während Arbeitnehmer von mehr Flexibilität profitieren, nutzen Cyberkriminelle die neuen Schwachstellen, die das Arbeiten außerhalb gesicherter Unternehmensnetzwerke mit sich bringt. Gleichzeitig wächst die Abhängigkeit von Cloud-Diensten und Managed Service Providern (MSPs), was zusätzliche Einfallstore für Angriffe schafft.

Read More