Axios-Schwachstelle CVE-2026-40175: Header-Injection als Einfallstor in Cloud-Infrastrukturen

Wer die JavaScript-Bibliothek Axios in Node.js-Anwendungen einsetzt, sollte diese Meldung aufmerksam lesen. In allen Versionen von 0.x bis 1.x vor den Patches 0.31.0 bzw. 1.15.0 fehlt eine grundlegende Prüfung: Header-Werte werden nicht auf CRLF-Zeichen (\r\n) geprüft, bevor sie an den Socket übergeben werden. Das klingt zunächst technisch und harmlos – hat aber weitreichende Konsequenzen.

Das eigentlich Beunruhigende an dieser Lücke ist ihr Gadget-Charakter. Axios muss nicht direkt angegriffen werden. Es genügt, wenn irgendwo im Abhängigkeitsstack eine Prototype-Pollution-Lücke ausgenutzt wird – etwa in weit verbreiteten Bibliotheken wie qs, minimist oder body-parser. Gelingt es einem Angreifer, Object.prototype mit einem präparierten Header-Wert zu versehen, übernimmt Axios diesen automatisch beim Zusammenführen der Request-Konfiguration. Anschließend landet ein vollständig geschmuggelter HTTP-Request im ausgehenden Traffic – ohne dass der Anwendungscode selbst etwas Unsicheres tut.

Im konkreten Angriffsszenario lässt sich damit der AWS Instance Metadata Service (IMDSv2) ansprechen, der eigentlich gegen SSRF-Angriffe abgesichert ist. Weil Axios die injizierten Header ungefiltert weitergibt, kann ein Angreifer einen gültigen PUT-Request mit dem nötigen X-aws-ec2-metadata-token-ttl-seconds-Header einschmuggeln – und erhält im Gegenzug ein Session-Token, mit dem sich IAM-Credentials stehlen lassen. Dasselbe Muster funktioniert auch für Authorization-Header, Cookies oder Cache-Poisoning-Angriffe.

Offiziell wird der CVSS-Score mit 6.5 (Moderate) angegeben, was angesichts der möglichen Folgen – vollständige Cloud-Kompromittierung – deutlich zu niedrig wirkt. Der Entdecker selbst bewertet die Lücke mit CVSS 9.9.

Wer ist betroffen? Jede Node.js-Anwendung, die Axios nutzt und gleichzeitig eine Prototype-Pollution-anfällige Abhängigkeit im Stack hat. npm ls axios zeigt die verwendete Version; npm audit listet bekannte Lücken im gesamten Dependency-Tree.

Empfehlung: Update auf Axios 1.15.0 oder 0.31.0 – und parallel npm audit ausführen, um Prototype-Pollution-Risiken im restlichen Stack zu identifizieren.

Originalquelle: GitHub Advisory GHSA-fvcv-3m26-pcqx

Related Posts

Google warnt: KI macht Cyberangriffe schneller, gezielter und schwerer erkennbar

Google Cloud hat seinen Cybersecurity Forecast 2026 veröffentlicht – eine nüchterne Bestandsaufnahme der Bedrohungslage, die auf echten Vorfallsdaten und Geheimdiensterkenntnissen basiert. Die Kernaussage: KI ist längst kein Zukunftsthema mehr, sondern wird von Angreifern heute aktiv eingesetzt – für überzeugendere Phishing-Mails, täuschend echte Telefonanrufe (Vishing) mit geklonten Stimmen und automatisierte Angriffskampagnen im grossen Massstab.

Read More

Kritische Schwachstellen in NetScaler ADC und Gateway – sofortiges Update erforderlich

Citrix hat am 23. März 2026 ein Sicherheitsbulletin zu zwei Schwachstellen in NetScaler ADC und NetScaler Gateway veröffentlicht. Beide betreffen ausschliesslich selbst betriebene Installationen – wer die Cloud-verwalteten Dienste von Citrix nutzt, ist nicht betroffen.

Read More

Kritische Lücke im Apache HTTP Server – mod_proxy_ajp

Im Apache HTTP Server wurde eine Heap-Buffer-Overflow-Schwachstelle im Modul mod_proxy_ajp entdeckt. Ein bösartiger AJP-Backend-Server kann dabei 4 Bytes kontrolliert außerhalb eines Heap-Puffers schreiben – was in der Praxis zur vollständigen Kompromittierung des Servers führen kann: Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit sind alle maximal gefährdet. Der CVSS-Score liegt bei 9.8 von 10. Betroffen sind alle Versionen bis einschließlich 2.4.66. Das Angriffsszenario setzt voraus, dass mod_proxy_ajp aktiv ist und auf einen – auch intern kompromittierten – AJP-Server zeigt, etwa einen Tomcat-Backend-Server.

Read More